AMG GT: CALIFORNIA DREAMIN‘

HIP-HOP-SUPERSTARS AM STEUER, 50 DOLLAR PARKTICKETS AM SCHEIBENWISCHER UND DAZWISCHEN LOBSTER UND EIN PAAR RUNDEN AUF KALIFORNIENS BEDEUTENDSTER RENNSTRECKE. BEI UNSEREM ROADTRIP VON SAN FRANCISO NACH LOS ANGELES HATTEN WIR STAENDIG DAS GEFUEHL, GLEICH AUFZUWACHEN

Am Steuer des nagelneuen Mercedes-AMG GT S auf dem Highway Number One entlang der amerikanischen Westküste, dazwischen ein paar Abstecher ins Hinterland. Die Sehnsuchtsroute aller USA-Fans spart nicht mit Klischees und schafft es trotzdem, an jeder Kurve zu überraschen. Ein Erlebnis, dass wir im Rückblick irgendwo in der Nähe von David Lynchs „Lost Highway“ einordnen würden. Atmosphärisch, poetisch und im nächsten Moment künstlich und kalt. Da sind die endlosen, atemberaubenden Landschaftspanoramen ebenso wie der stundenlange Stop-and-Go-Verkehr in L.A. oder die ausgelegten Plastik-Rasensteifen vor den Start-up-Hauptquartieren im Silicon Valley. Jeder Moment und jeder Ort ist voller Assoziationen und Déjà-vus und am Ende ist nicht mehr ganz klar, was echt ist und was nicht.

BAY AREA

Beastie Boy Mike D ist ein verkappter Surfer. Auf dem Weg nach Laguna Seca teilen wir uns den Wagen und man merkt schnell, dass ihn das Meerwasser in der Nase mindestens so juckt wie das Gaspedal am Fuß. Irgendwie kommen wir dann auf die Schnapsidee, dass wir unbedingt den Surf-Spot Mavericks finden wollen. Siri weiß nicht Bescheid, was ziemlich enttäuschend ist. Am Ende bequatscht Mike einen Einheimischen, doch wir haben Pech. Der Ozean ist ruhig.

LAGUNA SECA RACEWAY

Rund 200 Kilometer südlich von San Francisco liegt die 3.600 Meter lange Rennstrecke mit der berühmten Korkenzieherkurve. Nach einer langen Beschleunigungsgeraden geht es versteckt hinter einer kleinen Anhöhe steil nach unten, während sich die Schikane zuerst nach links und dann nach rechts schlängelt. Gran-Turismo- Spieler kennen die Stelle. Doch wir sitzen nicht an der Konsole, sondern hinter einem echten Lenkrad. Wow.

"AND WHEN THE FOG'S OVER AND THE STARS
AND THE MOON COME OUT AT NIGHT
IT'LL BE A BEAUTIFUL SIGHT."

JACK KEROUAC, BIG SUR

BIG SUR

Einsam, schroff und unberührt zieht sich der vielleicht malerischste Küstenabschnitt unseres Roadtrips entlang der Pazifikküste. Das Geräusch aus der Tiefe entpuppt sich als Seelöwenkolonie. Wir kommen kaum voran und steigen an jedem Aussichtspunkt aus, um Fotos zu machen. Dann ist es Nacht und der endlosblaue Sternenhimmel macht uns so einsilbig wie den melancholischen Helden in Jack Kerouacs Roman „Big Sur“.

SAN SIMEON

Wir sind noch mitten im Nirgendwo. Der Zeitungsmogul William Randolph Hearst hat sich hier in den 20er-Jahren ein gigantisches Schloss ins Nichts gestellt. Sonst ist tote Hose. Bei der nächsten Zigarettenpause kriechen zwei verlorene Jungs mit Gitarre aus dem Gebüsch, die so aussehen, als wären sie schon eine Weile gestrandet. Da sind wir wieder in Kerouacs Romanwelt gelandet.

LOS ANGELES

L.A. ist so unwirklich. Selbst wenn man noch nie da war, hat man jede Ecke schon tausend Mal gesehen. Der röhrende 510-PS-starke V8-Motor tut sein Übriges. Es ist, als hätten wir gerade Grand Theft Auto eingeschoben und eine Mission gestartet. Aber wahrscheinlich sind wir die ganze Zeit einfach nur vom Jetlag benebelt. Höchste Zeit, nach Hause zu fliegen.

Dieser Beitrag ist in der INTERSECTION Nr. 1 erschienen.

Verwandte Artikel