Die Maschine: Steve Aoki

Steve Aoki ist mehr als ein DJ, er ist ein Phänomen. Seit vielen Jahren gilt er als einer der erfolgreichsten und bestbezahlten Electro-House-DJs der Welt. Begonnen hat diese atemberaubende Karriere früh: Schon in seinem Wohnheim an der Universität organisierte er Partyreihen, im Alter von 19 gründete er sein eigenes Musiklabel Dim Mak, mit dem er später Künstlern wie Bloc Party oder MSTRKRFT zum Durchbruch verhalf.

 

Es gibt wohl kaum einen erfolgreichen Namen der vergangenen Jahre, mit dem Steve Aoki noch nicht zusammengearbeitet hat, darunter Will.i.am oder Drake. Im Juli dieses Jahres erschien sein viertes Album Kolony. Seine Erfolge und seine bombastischen Shows haben Steve Aoki den Ruf eines massenkompatiblen Party -DJs eingebracht, dabei ist er vor  allem eines: ein passionierter Musiker und ein harter Arbeiter, der auch mit fast 40 niemals stillsteht. Ein Gespräch darüber, trotzdem Ruhe zu finden vor allem in sich selbst.

Du bist in Kalifornien aufgewachsen, dein Vater war Wrestling- Star, danach baute er ein Restaurant-Imperium auf. Du hättest einsteigen können, wie bist du stattdessen zur Musik gekommen?

Mit 14 hat mir in der Schule ein Typ, den ich sehr cool fand, ein Mixtape zugesteckt. Dadurch kam ich in Kontakt mit dem, was man als Straight Edge Hardcore bezeichnet, eine Variante des Hardcore- Punk. Ich habe das Tape zu Hause rauf und runter gehört, bis ich alle Songs auswendig kannte und ich habe angefangen, mit den Kids auf den Skateparks herumzuhängen. Ich kaufte mir dieselben Klamotten wie sie, rasierte mir meine Haare und wurde Vegetarier. Ich wollte dazugehören. Das Wichtige aber war, dass es in dieser Community einen unglaublich starken DIY-Gedanken gab. Die Philosophie lautete: Du kannst einfach alles im Leben erreichen, du musst es nur selbst in die Hand nehmen. Dass ich in Kontakt mit dieser Szene kam, hat mein Leben grundlegend verändert. Davor habe ich mir Auftritte von Bands angeschaut, sie aus der Ferne bewundert, aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass auch ich so etwas machen könnte. Danach hielt ich alles für möglich.

Wie ging es nach dieser Erkenntnis weiter?

Ich habe mir eine Gitarre beschafft, ein Mikrofon in meinem Zimmer aufgestellt und meine Mutter hat mir einen 4-Track-Recorder von Tascam gekauft, um alles aufzuzeichnen. Ich habe mir die Musik selbst beigebracht, so wie ich es mit allen Dingen in meinem Leben gemacht habe. Ich war immer bereit, sehr, sehr hart zu arbeiten. Nur vom Träumen kommt nichts – du musst Ausdauer haben, Opfer bringen und die Prioritäten in deinem Leben entsprechend setzen.

Hast du diese Härte gegenüber dir selbst von deinem Vater übernommen? In der Dokumentation „I can sleep when I‘m dead“, die dein Leben erzählt, taucht er in einer alten Videoaufnahme auf und sagt einen Satz, der mir in Erinnerung geblieben ist: „Die Arbeit kommt an erster Stelle, die Gesundheit an zweiter und die Familie an dritter.“

Mein Vater ist definitiv für meinen Arbeitsethos verantwortlich. Den hat er mir schon als Kind eingebläut, auf eine beinahe traumatisierende Art und Weise. Er kam als Immigrant von Japan nach Amerika, hat sich alles aus dem Nichts aufgebaut. Von ihm habe ich gelernt: Wenn du nicht bereit bist, die Arbeit zu machen, dann wird ein anderer sie machen. Das Leben ist im Grunde eine einfache Rechnung: Je mehr Leidenschaft du investierst, desto weiter wirst du kommen.

„Ich liebe Tesla dafür, dass sie immer wieder die Grenzen des technisch Machbaren austesten.“

Du stehst im Guinness Buch der Rekorde als der nach Flugmeilen meistgereiste Musiker der Welt. Empfindest du das Leben „on the road“ manchmal als belastend?

Da wären wir wieder beim Thema Opfer bringen. Wenn ich dafür meinen Traum leben darf, muss ich es in Kauf nehmen, den Großteil meiner Zeit in Flugzeugen oder Hotels zu verbringen. Pausen liegen mir nicht. Ich habe gelernt, auch dann Ruhe zu finden, wenn ich eigentlich unterwegs bin. Das Jetzt ist das Wichtigste. Natürlich hat man ein Ziel, aber der Weg zu  diesem Ziel ist viel wichtiger, weil es sich im Laufe des Lebens immer wieder ändern kann. Ich versuche, im Moment glücklich zu sein, und mich von dem, was um mich herum passiert, nicht belasten zu lassen. Man kann das Glas halb voll oder halb leer sehen. Ich habe mich dazu entschieden, es immer halb voll zu sehen.

Vermutlich wären neue Technologien wie selbstfahrende Autos perfekt für Menschen wie dich.

Natürlich, weil ich dann noch produktiver sein könnte! Außerdem liebe ich radikale Visionen und Futurismus. Ich bin immer der Erste, der versucht, neue Gadgets in die Finger zu bekommen. Ich liebe Tesla dafür, dass sie immer wieder die Grenzen des technisch Machbaren austesten, und ich wäre der Erste, der sich ein selbstfahrendes Auto kaufen würde! Momentan fahre ich einen Range Rover, weil ich immer in Gruppen mit vielen Leuten unterwegs bin, die hineinpassen müssen.

 

F o t o s : PA S C A L K E R O U C H E

S t y l i n g : N ATA S H A N E W M A N – T H O M A S , K R I S S I E T O R G E R S O N

H a a r e u n d M a k e – u p : S O N I A R E S H E T N I K OVA

C a s t i n g : A N I S S A PAY N E

I n t e r v i e w : A N N – K AT H R I N R I E D L

 

1964 Oldsmobile Dynamic 88 Convertible

Von 1949 bis 1999 wurde die 88-Serie in acht Generationen gebaut. Das 1964 Cabrio war vor allem bei älterer Kundschaft beliebt, so dass der Wagen heute als Oldtimer in gutem Zustand und mit wenig Kilometern zu bekommen ist.

Motor: V8, Hubraum: 6,5 Liter

Leistung: 260 PS

Vielen Dank an http://iconiccarrentals.com

 

Das ungekürzte Interview erschien in INTERSECTION Nr.32

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