WAYNE’S WORLD

ALS DER FOTOGRAF DAVID DAUB AUF LOCATION-SUCHE DURCH KAPSTADT, SUDAFRIKA FUHR, WURDE ER AUF EINE MERKWURDIGE WERKSTATT AUFMERKSAM. IHR BESITZER SCHICKTE IHN ZUNACHST MIT EINEM „FUCK OFF“ NACH HAUSE. DOCH ZWEI PALETTEN BIER SPATER OFFNETEN SICH DIE TORE ZU WAYNES WORLD.

Ich war in Kapstadt für einen Werbe-Job. Um die Mittagszeit war meist nichts zu tun, also fuhr ich in der Stadt herum um mir ein paar Locations anzuschauen. Auf einmal sah ich diese etwas merkwürdige Garage. Daneben stand ein Typ mit Cowboyhut. Das war Wayne.

Ich stieg aus und sprach ihn an. Aber er ließ mich nicht ausreden und verabschiedete mich mit ei- nem Fuck off. Er hatte ein Bier in der Hand. Also fuhr ich zum nächsten Liquor-Store und besorg- te ihm zwei Paletten davon. 48 Bierflaschen. Die habe ich zurückgeschleppt, ihm sie vor die Tür gestellt und gefragt, ab wann er morgen da sei. Er hat mich kurz angeschaut und gesagt ab 12 Uhr. Am nächsten Tag bin ich wieder hin. Er hat mich zunächst nur geduldet, nach ein paar Honigschnaps taute er etwas auf. Wayne erzählte mir, dass er selbst 30 Jahre lang Fotograf gewesen sei, wisse, wie’s läuft, und mir sinngemäß den Hals durchschneiden würde, wenn er irgendwo auf einer Marlboro-Schachtel als Werbegesicht auftauchen würde. Man kann sich seinen Laden nicht als normale Werkstatt vorstellen. Alles steht voll mit Mittelalter-Nippes, mit Schwertern und Morgensternen. Der Typ ist etwas wahnsinnig. Er redet kaum, trägt jeden Tag denselben Gürtel mit einer Totenkopfschnalle. Die steht so weit vor, dass jedes seiner T-Shirts vorn aufgerissen ist. Am Anfang schien er mir sogar ein wenig gefährlich, weil er diesen sehr strengen Blick draufhatte. Wayne ist so sehr Autorestaurateur, dass er schon gar nicht mehr versucht, seine Hände sauber zu bekommen. Die sind immer voll mit Farbe. Es gibt in Kapstadt ziemlich viele Autofriedhöfe. Er macht aus den Wracks Kühlschränke. Aus dem Kofferraum eines alten Cadillacs hat er eine Couch gebaut. Vor allem aber kauft Wayne alte Autos auf und restauriert sie. Sein aktuelles Projekt ist ein 1970er Ford Fairlane. Insgesamt war ich etwa zweieinhalb Stunden da. Ich habe ihm später mal die Bilder geschickt, aber er hat nie geantwortet.“

"ICH FUHR ZUM NACHSTEN LIQUOR-STORE UND BESORGTE ZWEI PALETTEN BIER"

Text und Fotos: David Daub

Dieser Beitrag ist in INTERSECTION Nr. 25 erschienen.

Verwandte Artikel