Künstliche Intelligenz und die Kunst

Wie mit künstlicher Intelligenz der Kunstmarkt auf den Kopf gestellt wird und wen man jetzt kennen sollte.

Künstliche Intelligenz ist überall, selbst da wo wir sie nicht meinen zu sehen. In Autos, Staubsaugern oder Handys. Und natürlich auch der Kreativität und Kunst. Dass KI als Methode genutzt wird, um Kunstwerke zu schaffen, ist nun schon lange keine Neuigkeit mehr. Aber ist von künstlicher Intelligenz generierte Kunst überhaupt Kunst? Und wenn ja, wer ist die schaffende Instanz?

Fragen, die sich um Künstliche Intelligenz und Kunst drehen, beschäftigen sich insbesondere mit ethischen und urheberrechtlichen Problematiken. So sind einige Positionen der Auffassung, dass KI eine Imitation von Kunst und Kreativität ist, dass sie keinen eigenen Willen haben. Was hingegen oft außer Acht gelassen wird ist die Arbeit hinter dem Algorithmus, hinter der Programmierung. Im Fall von Roboter Ai-Da (siehe unten) liegt die eigentliche Arbeit bei dem Team, das den humanoiden Roboter erschaffen hat – Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Oxford und dem Unternehmen Engineered Arts.

Intersection hat fünf relevante Künstlerinnen und Künstler zusammengestellt, die Kunstwerke mit künstlicher Intelligenz erschaffen – und manchmal eben auch die künstliche Intelligenz selbst sind.

Obvious – Portrait of Edmond Belamy

Basierend auf 15.000 Portraits, die zwischen dem 14. und 20. Jahrhundert geschaffen wurden, hat das Auktionshaus Christie’s ein von GAN (Generative Adversarial Network) kreiertes Portrait, Portrait of Edmond Belamy, für 432,500 $ verkauft. Hinter dem Portrait steck das Pariser Kollektiv Obvious. Das Bild erscheint unfertig, die Gesichtszüge sind undeutlich und es sind weiße Flecken auf der Leinwand. Die Signatur, die das Bild in der unteren rechte Ecke ziert ist in kursiver gallischer Schrift. Der Verkauf kann als Ankunft der Künstlichen Intelligenz im etablierten Kunstbetrieb betrachtet werden.

 

"Portrait of Edmon Belamy", 2018, created by GAN (Generative Adversarial Network) © Christie’s, Obvious

Mario Klingemann

Aber schon seit 2015 tauchen vermehrt Kunstwerke von KI generierten Computern und Algorithmen im Kunstbetrieb auf. Mario Klingemann, ein Protagonist der Bewegung, arbeitet mit neuralen Netzwerken, Codes und Algorithmen, um Kunstwerke zu schaffen. So beispielsweise auch sein Kunstwerk Common Daemoniator, das ein latentes Labor darstellt und dessen resultierendes Kunstwerk von den Besuchenden in Echtzeit geteilt wird. Je nachdem, wie agiert wird, begegnet man Aphrodite oder einer dämonischen Kreatur.

Anna Riedler

Die englische Künstlerin Anna Ridler arbeitet mit Informationen und selbst generierten Datensätzen, um diese multimedial zu verarbeiten. Bekannt ist sie vor allem für ihre KI-geschaffenen Kunstwerke, die sich mit Blütephasen und Farbübergängen von Tulpen befassen und so Blockchain-Technologien und Computer-Algorithmen in Verbindung bringt. Durch den Einsatz dieser Arten von Technologien, die zunehmend in verschiedene Märkte eingebettet sind, hinterfragt die Künstlerin die Art und Weise, wie Technologie das menschliche Verlangen und die wirtschaftliche Dynamik durch künstliche Verknappung antreibt.

Robbie Barrat

Robbie Barrat ist ein junges KI-Wunderkind, dessen Projekte und Kunstwerke die Grenzen von neuronalen Netzwerken und der traditionellen Kunstwerken verschieben und hinterfragen. Der multimedial arbeitende Künstler, der vergangenes Jahr eine Kollektion mit dem schwedischen Modelabel Acne Studios gemacht hat und 2019 unter anderem mit dem bekannten französischen Künstler Ronan Barrot zusammengearbeitet hat, integriert Künstliche Intelligenz in jedes Projekt, das er anfasst. Barrat trainierte ein neuronales Netzwerk auf die vorangegangenen vier Saisons der Acne-Kollektionen, um neue Designs zu entwerfen, und produzierte gleichzeitig auch Bilder, die direkt auf Kleidungsstücke gedruckt wurden.

Photo: Andrea Adriani / Acne Studios / Vogue Runway

Ai-Da

Der erste ultrarealistische Roboterkünstler Ai-Da ist ein Roboter, der mithilfe Künstlicher Intelligenz Zeichnungen, Gemälde und sogar Skulpturen anfertigt. Designed von Engineered Arts und Wissenschaftler:innen an der Universiät zu Oxford, hat Ai-Da mittlerweile nicht nur Zeichnungen und Bilder angefertigt, sondern sich auch an musikalischen Projekten beteiligt, so zum Beispiel am Song Yeah I Know von der Band The 1975. Zuletzt war unter anderem ein von ihr gefertigtes Gemälde in der Gruppenausstellung The Artist Is Online in der KÖNIG GALERIE zu sehen – und zu kaufen.

Ai-Da Robot, Shattered Space: Toeam I Thalassa Doria, 2020 © KÖNIG GALERIE, Berlin, London, Seoul, the artist

Text Antonia Schmidt

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