Unterwegs mit Stil: DJ Wolfram

Jet-Setter, Diplom-Toningenieur, Model, DJ, Nerd. Wolfram (aka Marflow aka Diskokaine), Österreichs bekanntester Disco-und Houseproduzent, wechselt mühelos die Rollen. Wir haben mit ihm über Musik, Kunst und seinen Lancia Montecarlo gesprochen.

Was macht die Kunst? Man sagt, du planst ein neues Album für das New Yorker Electro-Label DFA.
Momentan arbeite ich noch daran. Ich bin mir noch nicht sicher, wo und wann es erscheint, aber ich hoffe, irgendwann mit meinem Krawall auch zufrieden zu sein.

Wohin geht es soundmäßig und konzeptuell?
Ich würde sagen, es wird ähnlich wie mein Lancia: laut, aber langsamer, als man glaubt. Nach deinem ersten Album von 2011 nannte man dich den wichtigsten musikalischen Exportschlager Österreichs nach den Wiener Philharmonikern und den Sängerknaben. Eine schwere Bürde seither?

Wart ihr schon zusammen feiern?
Nein

Könntest du dir vorstellen, mit ihnen Musik zu machen?
Wäre mir eine Ehre.

Was geht gerade so eigentlich in Wien?
Alles, was keine Räder hat. Gute Lebensqualität geht dort auch immer. Musikalisch bringen meine Freunde von Elektro Guzzi auf Macro Recordings eben ihr neues Album Clones heraus, mit Freunden wie Peter Kruder (ohne Dorfmeister) mache ich ab und zu im Studio Musik und mit Peter & der Wolfram hätten wir schon fast so einen guten Namen wie Kruder & Dorfmeister. Mit meinem Freund und Musiker Patrick Pulsinger treffen wir uns ab und zu in seinem Studio und machen etwas Musik, bevor wir dann mit unseren Oldtimern eine Runde drehen. Er fährt einen BMW 2002.

Stimmt es, dass du über eine Ohrfeige zu Weihnachten zum Auflegen gekommen bist?
Auf dem Plattenspieler meines Vaters lief gerade „Stille Nacht“, aus Langeweile begann ich, daran herumzuscratchen, das passte meinen Eltern in ihrer weihnachtlichen Stimmung wohl gar nicht und ich bekam eine verpasst. Wenige Monate später bekam ich zu meinem Geburtstag dann aber doch Turntables geschenkt. Die wilden 90er.

Auf der Fotostrecke bist du mit deinem schicken Lancia Montecarlo zu sehen. Erzähl uns die Geschichte zu dem Auto.
Ich besitze seit 2011 zwei VW Sciroccos. Der Scirocco 16V machte anfangs Probleme und nachdem ich den Scirocco GTI als Alltagsauto benutzte, wollte ich zusätzlich auch etwas Exotisches. Der ebenfalls von Giorgio Giugiaro entworfene DeLorean war mir zu klobig und enttäuschte mich bei der Probefahrt. Bei meinen Recherchen kam ich auf den raren Vorreiter des DeLorean, den Lancia Montecarlo, der 1975 auch das erste Auto war, das von Pininfarina entwickelt und auch gebaut wurde. Lancia lieferte die Technik in das Pininfarina-Werk und gewann mit der Rallye-Version 037 viele Rallyes. Mit dem Montecarlo gewann Lancia aber auch frustrierte Kunden, weil er damals relativ teuer und zudem rostanfällig war. Für mich ist das eher ein Pluspunkt, weil sie nur 2080 Stück produziert haben. Ich habe ihn von einem Sammler, der ihn erst in den 90ern von einem Lancia-Autohaus erworben hatte. Dort stand der Wagen als Ausstellungsobjekt herum, und weil sie die Rostprobleme kannten, hatte man den Hohlraum richtig konserviert. So habe ich ihn mit nur 40.000 Kilometern in fast 40 Jahren für gutes Geld bekommen.

Was begeistert und was nervt an dem Wagen?
Begeistert bin ich von der außergewöhnlichen Optik und dem Mittelmotor- konzept. Es nervt mich, dass ich ihn in letzter Zeit nur sehr selten fahren kann, weil ich im Sommer nicht so viel in Wien bin, und im Winter melde ich ihn ab. Somit steht er in letzter Zeit fast nur in der Garage und die ist in Wien auch nicht so günstig. Lange Ausfahrten wie letztes Jahr nach Kroatien vermisse ich sehr. Dennoch müsste schon ein extrem gutes Angebot kommen, dass ich mich von ihm trenne.

"Wenn ich an einem Track arbeite, wird die Nummer auch immer im Auto getestet."

Würdest du lieber Ferrari fahren?
Eigentlich nicht wirklich. Eventuell, um ihn wieder zu Geld zu machen, aber ich fühle mich wohler, nur einen VW oder einen Lancia zu fahren. Ich finde noblere Marken wie Ferrari, Porsche oder selbst Mercedes und BMW wunder- bar, aber ich identifiziere mich lieber mit Marken, die nicht so einen protzigen Auftritt haben. Dieses Understatement schätze ich sehr an dem Montecarlo und meinen Sciroccos.

Reden wir noch mal über Kunst. Was lernt man an der Kunstakademie fürs Leben?
Dass man das meiste beim Leben des Lebens lernt.

Deine Webseite ist für einen Musiker, sagen wir, außergewöhnlich. Worum geht es dir dabei?
Es geht darum, Spaß zu haben.

Inwiefern sind Autos für dich Klangobjekte?
Ich mag den Klang eines guten Motors. Quietschende Reifen. Scheibenwischer im Regen. Die Akustik eines Autos trägt viel zum Fahrerlebnis bei.

Was findest du in dem Verhältnis Autos und Sound spannend?
Ich höre sehr gerne Musik, wenn ich fahre. Wenn ich an einem Track arbeite, wird die Nummer auch im Auto getestet. Ich finde das wichtig, zu wissen, wie die Musik sich während der Fahrt anhört und welche Emotionen dadurch in mir erweckt werden.

Welche Musik finden wir auf deinem ultimativen Roadtrip-Soundtrack?
Paul Simons Album Graceland und Pet Sounds von den Beach Boys.

Über was redet man, wenn man mit Grace Jones, Moby, Spike Jonze oder Marc Jacobs abhängt. Doch nicht über Musik, oder?
Über verschiedene Themen, die man in Interviews nicht gleich ausplaudern sollte. Aber mit Giorgio Moroder führte ich mal für ein Video-Feature für Vice ein nettes Gespräch („Back & Forth with Giorgio Moroder & Wolfram“), in dem es unter anderem auch um 80er-Jahre-Autos und kuriose Fahrzeuge aus seiner persönlichen Vergangenheit ging.

Interview: Ji-Hun Kim
Fotos: Stefan Armbruster
Dieser Beitrag ist erschienen in der INTERSECTION Nr. 27.

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