Mando Diao: On the road again

Auf dem von BMW Motorrad gesponserten Berliner Pure & Crafted Festival dreht sich jeden Sommer alles um Motorräder, Musik und das Trend-Thema New Heritage. Das Pale Ale in der einen Hand, den frischen Chili-Cheeseburger in der Anderen, haben wir uns mit den Festival-Veteranen Mando Diao über das Leben im Tourbus und das Verhältnis zu allem, was sich bewegt, unterhalten.

Als wir euch vor ein paar Jahren das letzte Mal getroffen haben, ging es auch um eure Faszination für Autos. Seitdem hat sich die Zusammenstellung der Band ja etwas verändert. Wer hat denn heute von euch das Benzin im Blut?
Daniel Haglund: Ich bin Fan von Wohnwagen, auch wenn sie nur sehr langsam sind.

Du besitzt einen Camper? Fährst du damit regelmäßig?
Daniel Haglund: Nicht hier (lacht). Wenn wir aber demnächst eine Show in Hamburg spielen, dann auf jeden Fall.
Carl-Johan Fogelklou: Das planen wir schon seit sieben Jahren.

Dabei ist es nicht einmal weit bis nach Hamburg.
Carl-Johan Fogelklou: Die Strecke ist völlig in Ordnung.
Daniel Haglund: Von mir aus ist es näher nach Hamburg als in den Norden von Schweden zu fahren. Das ist eine Fahrt von etwa neun Stunden.
Björn Dixgård: Daniels Camper ist ein wichtiges Thema für uns, wir sprechen sehr viel darüber. Mal sehen, wann das wirklich passiert.

Ihr verbringt sehr viel Zeit gemeinsam auf Tour. Wie ist das für euch?
Carl-Johan Fogelklou: Ich denke, ich spreche für alle, wenn ich sage, dass sich eine sehr freundschaftliche Beziehung entwickelt, wenn man gemeinsam reist und von Gig zu Gig fährt. Man beginnt über die Fami- lie zu sprechen, über das Leben allgemein. Man sitzt zusammen, Kilometer für Kilometer, und spricht über jedes Thema. In einer solchen Zeit lernt man sich sehr gut kennen. Wir fahren von mir aus dem Süden hoch nach Darlana, durch die Wälder. Das ist eine Strecke von etwa sieben bis acht Stunden.
Björn Dixgård: Wir alle leben an verschiedenen Orten in Schweden.
Carl-Johan Fogelklou: Ich glaube, dass es sich dabei mehr um eine psychologische Reise handelt als ums Autofahren.

Ihr tourt bereits seit 15 Jahren. Gibt es da einen be- sonderen Moment, an den ihr euch erinnert? Carl-Johan Fogelklou: Wir sind bei einem Unfall beinahe ums Leben gekommen.
Björn Dixgård: Das war einer unserer schlechtesten Trips.
Carl-Johan Fogelklou: Aber es gibt natürlich auch sehr viele schöne Geschichten. Sehr viel Playstation und Filme in der Nacht.

Das macht ihr also die ganze Zeit im Bus. Was spielt ihr?
Björn Dixgård: Wir spielen Fifa.

Kein Gran Turismo?
Björn Dixgård: Manchmal. Und Mario Cart, das ist ein wirklich gutes Spiel. Aber ja, es sind uns schon sehr viele verrückte Dinge auf Tour passiert. Sehr viele Partys und tolle Erinnerungen.
Carl-Johan Fogelklou: Einmal hatten wir ein ganzes Publikum im Bus.

Ein eher kleiner Gig also.
Carl-Johan Fogelklou: Das Publikum bestand aus sieben Leuten. Das war super.
Daniel Haglund: Dieses Jahr erinnere ich mich vor allem an unseren Trip in Bosnien. Es hat angefangen mit einem gecancelten Flug. Um zwei Uhr nachts kamen wir schließlich an. Wir sollten um Mitternacht spielen, sind aber erst um zwei Uhr nachts bei der Venue angekommen. So haben wir erst um drei Uhr in der Nacht gespielt und sind anschließend direkt weiter mit dem Tourbus. Es gab also keine Zeit für Schlaf.
Daniel Haglund: Wir haben fünf oder sechs verschie- dene Länder in 24 Stunden besucht.
Björn Dixgård: Aber die Show war großartig, die Leute waren toll und wir hatten eine super Zeit. Wir waren wie kleine Kinder nach dem Motto: „Können wir an der nächsten Tankstelle anhalten und Bier kaufen?“ Patrik Heikinpieti: Die Stage-Klamotten waren am besten. Unsere Koffer sind unterwegs verloren gegangen. Es endete damit, dass wir sagen mussten: „Ihr müsst uns Unterhosen und ein paar Klamotten geben.“ Habt ihr Borat gesehen?

Klar!
Patrik Heikinpieti: Wir hatten also diese Hosen, die man seit den 80ern nicht mehr gesehen hat.
Björn Dixgård: Der Festival-Promoter hatte nicht wirklich Geschmack. Das waren Wrestling-Klamotten. Patrik Heikinpieti: Wir haben nichts zu verlieren. Jetzt seid ihr auf dem Pure & Crafted Festival und es sieht so aus, als würdet ihr eure eigenen Klamotten tragen.

Hattet ihr schon Zeit, euch umzusehen?
Björn Dixgård: Noch nicht wirklich. Wir sind nur kurz über das Gelände gelaufen.

Wie steht ihr zu Motorrädern?
Patrik Heikinpieti: Ich fahre quasi schon mein ganzes Leben Motorrad. Zuerst Motorcross für zehn bis 15 Jahre und später Street Bikes. Momentan besitze ich zwar keines, aber ich hatte schon eine Menge Bikes. Schweden hat ja eine ganz spannende Custom-Szene.
Daniel Haglund: Das stimmt. Dort, wo ich lebe, ist das ziemlich angesagt. Zwischen Göteborg und Oslo, auf dem Land. Dort werden viele Custom Cars aus den USA importiert.
Björn Dixgård: Wir haben vor Kurzem eine Show gespielt, in der Nähe meiner Heimatstadt, in Darlana. Die Band Fatboy ist zu uns auf die Bühne gekommen. Die Jungs sind total verrückt nach Autos, nach großen Mustangs und Cadillacs. Aber sie sind auch eine Rockabilly-Band.

Das Pure & Crafted Festival hier hat sich auch ein wenig von der Rockabilly-Kultur abgeschaut.
Björn Dixgård: Ja, ich liebe das. Es ist wirklich toll.
Carl-Johan Fogelklou: Mein Traum wäre es, das alte Auto meines Großvaters zu reparieren. Er hat einen alten Volvo PV. Er ist wunderschön. Das Auto steht noch immer bei meinem Onkel in der Garage. Eines Tages, wenn wir genug Platten verkaufen, schaffe ich es vielleicht, das Auto zu reparieren.

Interview: Alina Amato
Fotos: David Fischer
Dieser Beitrag ist erschienen in der INTERSECTION Nr. 27.

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